meinFrankfurt: Radtour die Nidda entlang

 

die Nidda entlang von der Stadtgrenze zu Bad Vilbel bis zur Mündung in den Main

In meiner Reihe schönster Radstrecken in und um Frankfurt am Main geht es heute immer der Nidda entlang durch Frankfurt.

Hier irgendwo befindet sich zumindest am Südufer der Nidda die Stadtgrenze Frankfurts zu Bad Vilbel. Hinter mir liegt in nicht all zu großer Entfernung die S-Bahn-Station Bad-Vilbel Süd für diejenigen, die mit der S-Bahn an den Startpunkt der heutigen Tour gelangen möchten. Alternativ kann man natürlich auch an der S-Bahn-Station Berkersheim beginnen und die ersten 700m auslassen.

Vorab: Die Strecke ist rund 20km lang. Man fährt gemütlich eine Stunde mit dem Rad. Die Strecke ist absolut seniorengerecht und es bieten sich viele Möglichkeiten, zwischendurch zu pausieren. Auch Familien mit Kindern kann ich diese Tour sehr ans Herz legen. Die Strecke verläuft eben ohne Steigungen oder Gefälle und hat nur wenige Kreuzungspunkte mit größeren Straßen, an denen besondere Vorsicht geboten ist.

Am rechten Niddaufer liegt Harheim, das sich seinen dörflichen Charakter sehr gut erhalten konnte. Das ist nicht nur ein schöner Stadtteil Frankfurts. Für diejenigen, die beim Start unerwartet ein Problem mit dem Fahrrad feststellen, sei in Harheim MainVelo empfohlen. Diese haben Mittwoch bis Freitag Nachmittag und Samstag Vormittag geöffnet. Über die Brücke ist das Geschäft nur 500m entfernt.

Ab jetzt sind wir auf dem Niddaradweg, in Frankfurt Teil des Grüngürtelradwegs. Zur kompletten Länge des Niddaradwegs von knapp 100km, vom Vogelsberg bis Frankfurt, wird es hier demnächst auch noch ein Video geben. Die heutige Tour folgt dem Uferradweg durch Frankfurt. Die Nidda ist ein ganz zentraler Bestandteil des Frankfurter Grüngürtels. Zusammen mit den Kleingärten und angrenzenden Parks ist die Nidda eine grüne Ader durch die Großstadt Frankfurt. Das sieht man auch bereits auf diesem Stück sehr schön. Bevor die Nidda hier in einen engen Kanal gezwängt wurde, muss die Gegend sehr feucht gewesen sein. Daraus leitet sich auch der Name Horeheim, aus dem dann Harheim wurde, ab. Harheim wurde übrigens unter energischem Protest zahlreicher Harheimer zwangsweise nach Frankfurt eingemeindet und kann sich bis heute eine gewisse Eigenwilligkeit bewahren.

Wer übrigens die in diesem am Karfreitag aufgenommenen Clip zu sehenden Menschen zählt, kommt auf weit über 1.000 Personen. Und das ist nur eine Momentaufnahme. Dies zeigt deutlich wie beliebt die Nidda als Naherholungsziel ist.

Links ist Berkersheim zu sehen (zu erahnen?). Allerdings liegt seit 1850 die Trasse der Main-Weser-Bahn, jetzt eine im weiteren Ausbau befindliche S-Bahn-Strecke, zwischen Nidda und dem Ort. Hier gibt es einen der wenigen beschrankten Bahnübergänge. Sein Ersatz durch eine Omega-förmige Brücke ist momentan heiß umstritten. Berkersheim gehörte im Laufe der Geschichte wechselnd zu Frankfurt oder Hanau. Damit waren Themen rund um Berkersheim im Laufe seiner langen Geschichte immer heiß umstritten. Aber auf dem Niddaradweg bekommt man davon nichts mit.

Der Niddaradweg ist ein Weg für alle. Dazu gehören nicht nur Fißgänger und Radfahrer. Aucg reiter nutzen diesen Weg sehr gerne. Ein hier ansässiger Reitstall sorgt leider immer wieder für eine mitunter erhebliche Verschmutzung des Radwegs.

Apropos Weg für alle. Dies ist kein reiner Radweg, sondern ein Weg für Trecker, Jogger, Fahrradfahrer, Fußgänger, Skater, Familien, Kleinkinder: Langsame und Schnelle

Da kommt man sich schnell in die Quere – daher ist Rücksichtnahme angesagt:

Als Radfahrer bitte mit angemessener Geschwindigkeit fahren. Fahrt langsam, besonders wenn viele Menschen auf dem Weg sind!

Und uns Radfahrern bleibt nur die Hoffnung, dass sich auch die übrigen rücksichtsvoll verhalten, also beispielsweise Hundehalter ihre Tiere anleinen und die Leine nicht quer über den Weg gespannt ist.

Vor Ostern war es dieses Jahr noch sehr kalt. Daher sind die Bäume dieses Jahr noch alle winterlich kahl. Doch schon bald wird man hier durch ein grünes Blättermeer radeln. Dann ist der Radweg noch attraktiver. Und immer wieder stehen am Wegesrand Bänke, auf denen man bei Bedarf ausruhen kann.

Die Idee eines Frankfurter Grüngürtels geht übrigens auf ein Konzept des Architekten Till Behrens zurück. Auch wenn die Stadt Frankfurt bei der Übernahme des Konzepts ganz wichtige Bestandteile wie Frischluftschneisen, Grünradialen und Frischluftregenerationsräume wegfallen ließ, so machten die großen Grünflächen die Stadt erst wirklich bewohnbar. Und die Niddaufer, die wir heute befahren, sind ein ganz wichtiger Bestandteil davon.

Interessant ist, dass Till Behrens seine Pläne in einer Art Graswurzelbewegung mit den Bürgern gemeinsam völlig ehrenamtlich erarbeitete. Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied zu beispielsweise der Bestandsaufnahme von Albert Speer und Partner im Jahre 2009, die aus städtischen Mitteln finanziert das Ganze von oben nach unten angeht. Ich wünsche mir oftmals, dass wir zu unseren basisdemokratischen Wurzeln zurückfinden mögen. Frankfurt war immer geprägt durch das ganz persönliche Engagement seiner Bürger.

Seit dem 14. November 1991 hat Frankfurt eine Grüngürtel-Verfassung. Sie beinhaltet unter anderem einen Plan mit den Grenzen des Grüngürtels und eine Grüngürtel-Charta, in der die Ziele festgehalten sind. Der Grüngürtel ist dadurch vor Bebauung geschützt. Die Verfassung lässt zwar prinzipiell zu, dass die Stadtverordneten beschließen, Teile aus dem GrünGürtel zu entnehmen, allerdings nur, wenn ein in Größe und Fläche gleichwertiger Ersatz zur Gesamtfläche hinzugefügt wird. Das gibt Grund für die Annahme, dass dieser schöne Radweg auch in Zukunft noch lange so schön erhalten bleiben wird.

Der Radweg folgt immer weiter der Nidda. Dabei hat man stets weite Felder zur Linken und den Ufer-Baumbestand zur Rechten.

Am Nordufer liegt der Nordpark Bonames. Mitten in den nördlichen Niddaauen, südlich des Ortes Bonames und nördlich der Nidda liegt ein natürlich bewachsenes Freizeitgelände. Grillmulden, zu denen die Besucher den eigenen Grill mitbringen dürfen, finden sich nahe der Homburger Landstraße. Auf der hügeligen Wildwiese lässt es sich prächtig picknicken, wahlweise an Holztischen und -bänken oder Sitzrondellen aus Findlingen und Baumstämmen. Dazu gibt es Spazier- und asphaltierte Radwege. All das macht den Nordpark zu einem beliebten Ausflugsziel und gerade für Familien zu einem Ort für Freizeit und Erholung. Dies ist nur eine von vielen Gelegenheiten für einen kleinen Abstecher.

Jetzt kreuzt der Radweg die Homburger Landstraße. Bitte nutzen Sie die hier installierte Fußgängerampel. Eltern sollten hier auf ihre Kinder besonders achten, da die schnurgerade Straße zu überhöhten Geschwindigkeiten der Autofahrer verleitet und diese rasch falsch eingeschätzt werden können.

Aufgestaut durch Wehre und ihrer natürlichen Windungen beraubt fließt die Nidda hier träge dahin

Der Name Bonames soll entweder auf bona mansio, also gute Raststätte, oder bona missa, gute Messe, zurück gehen. Da die Straßen im Ort eng sind und oft stark befahren, ist trotz des romantischen mittelalterlichen Eindrucks, den Bonames auch heute noch vermittelt, ein Abstecher nur bedingt zu empfehlen.

Auf der nördlichen Flußseite liegt der ehemalige Flughafen Bonames. Über die Brücke sind es nur wenige Meter und das Tower Café bietet sehr viel mehr als nur Kaffee und Kuchen, an Sonn- und Feiertagen sogar ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Der Flugplatz wurde renaturiert, Teile davon sind zur Rollschuhbahn und zum Skateboardplatz ausgebaut worden. Außerdem sind dort das Feuerwehrmuseum Frankfurt und ein Heimatmuseum beheimatet. Nicht nur Kindern gefällt das Heckenlabyrinth.

Auf dem Geländer der Niddabrücke ist die Skulptur des Phantasiewesens Grüngürteltier installiert. Es heißt, die Skulptur im Vorbeifahren zu streicheln bringe Radfahrern Glück.

Überall am Rand sieht man frisch gefällte und beschnittene Bäume. Es ist schön zu sehen, dass das Grünflächenamt dafür sogt, dass der Weg gut erhalten bleibt. Mich wundert nur, dass nach dem 1. März noch Bäume gefällt werden. Dies ist bis zum 30.9. auf öffentlichen Flächen eigentlich nicht mehr zulässig, nur in privaten Gärten.

Immer wieder kann man den Blick über die Nidda auf den Taunus-Hochkamm schweifen lassen.

Inzwischen sind wir bereits über 5km gefahren und haben damit bereits ein Viertel der Gesamtstrecke hinter uns gebracht. Bei dieser abwechslungsreichen Strecke verfliegt die Zeit wie im Nu.

Nun geht es unter der A661 hindurch auf Eschersheim zu.

Der Blick über die Nidda nach Norden fällt nun auf ein renaturiertes Industriegebiet. Der Boden war schwer belastet und wurde 10m tief abgetragen. Das ergab den künstlichen Hügel, dessen Sickerwasser noch für lange Zeit durch Aktivkohlefilter gereinigt werden muss bevor es der Nidda zugeführt werden darf. Jetzt soll sich die Natur langsam zurück erobern, was der Mensch 150 Jahre lang sehr künstlich gestaltet hatte. Vor allem sind die Wiesen nun ein Retentionsraum, dienen also dem Zurückhalten des Wassers bei Hochwassergefahr.

Überall auf und neben der Nidda kann man Vögel sehen: Enten, Gänse, Schwäne und Reiher ziehen dabei die meisten Blicke auf sich.

Auf der anderen Flussseite, also am nördlichen Ufer, von hier bis zur Urselbach-Mündung liegt der einzige Frankfurter Campingplatz. Abgesehen von Touristen nutzen auch Handwerker mit Wohnwagen die Stellplätze, um die hohen Hotelkosten der Region zu sparen. Sogar Studenten sollen angesichts der Wohnraumknappheit in Frankfurt schon zu diesem Mittel gegriffen haben.

Hier mündet der vom Großen Feldberg kommende Urselbach, eingezwängt in ein schmales Bett, weit entfernt von dem einstigen sumpfigen und weit verzweigten Mündungsgebiet.

Am Freibad vorbei wechseln wir auf das nördliche Flussufer nach Heddernheim. Hier sieht man eines der zahlreichen Wehre, mit denen die Nidda reguliert wird, die nun größtenteils in einem engen, künstlichen Bett verläuft.

Nun nutzen wir für 200m eine öffentliche Straße. Da dies aber eine Sackgasse ist, ist nicht mit viel Verkehr zu rechnen.

Rechts, an der Dillenburger Straße gelegen, vom Radweg durch einen Sportplatz getrennt, befindet sich die U-Bahn-Station Heddernheim. Wer unerwartet die Tour hier abbrechen möchte, kann von hier aus sehr viele Bus- und U-Bahn-Linien zur Heimfahrt nutzen.

Empfehlenswert ist hier ein kleiner Schlenker durch den verträumt wirkenden, alten Ortskern von Heddernheim. Hier und von nun an an vielen weiteren Stellen neben dem Radweg findet man immer wieder Kinderspielplätze.

Aber auch das gegenüberliegende Eschersheimer Flussufer ist einen Blick wert.

Ab hier passieren wir immer wieder Kleingartenanlagen. Rund 16.000 Kleingärten in Frankfurt machen deutlich, wie beliebt diese sind, vor allem bei den über 60-jährigen, wie die Statistik belegt. Sie bieten einen hohen Freizeitwert und ermöglichen den Anbau von Obst und Gemüse. Viele Kleingartenkolonien gehen auf die Deutsche Reichsbahn zurück und haben eine mehr als 100-jährige Tradition.

Nach rund 7,5 km Strecke haben wir mittlerweile ein gutes Drittel des Weges geschafft. Ab hier ist mit noch mehr Menschen auf dem Niddaradweg zu rechnen.

Hier am Bubeloch befindet sich eine Hunde-Auslauffläche. Radfahrer sollten hier also verstärkt mit umher rennenden Hunden rechnen.

Ein Kinderspielplatz und ein Minigolfplatz bieten eine gute Gelegenheit für eine kurze Unterbrechung. Geöffnet täglich ab 13:30 Uhr, Sonn- und Feiertags sogar ab 10:30 Uhr.

Bei gutem Wetter ist auch der Grillplatz Hadrianstraße ein Grund zum Verweilen. Übrigens gibt es auch am Ende der Hadrianstraße, 600m neben dem Radweg, einen sehr empfehlenswerten Fahrrad-Service, das Radwerk.

Mit der Römerstadt wurde Mitte der 20er Jahre die frühere römische Siedlung Nida überbaut. Dies war einst das Pompeji Mitteleuropas, doch dann im Mittelalter ein Steinbruch für alle umliegenden Siedlungen, später überbaut durch die neue Trabantenstadt und was übrig geblieben ist, hat die Nordweststadt vernichtet. Hier wurden archäologische Funde in einem unvorstellbaren Maße vernichtet. Heute ist nur noch wenig übrig und das Wenige ist kaum einen Abstecher wert. Also geht es weiter auf unserer Route die Nidda entlang.

Vor der Brücke Rosa-Luxemburg-Straße gibt es eine Brücke über die man nach 500m das Ginnheimer Wirtshaus am Ginnheimer Wäldchen erreicht.

Zwischen Heddernheim und Nied findet man überall Nutrias. Sie sind ursprünglich einmal aus Pelztierfarmen entlaufen und haben sich inzwischen zu einem Bestand von weit mehr als 200 Tieren an der Nidda vermehrt. Sie wissen genau, dass Menschen ihnen nichts tun und lassen sich von Radfahrern nicht stören.

Auf der anderen, der südlichen Niddaseite befindet sich der Volkspark Niddatal, mit 168 ha Frankfurts größter Park. Darin zu finden ein Wasserspielpark, die Lindenallee und die Sandstein-Bastionen. Sie alle sind Überbleibsel der Bundesgartenschau 1989. Der Park ist ein beliebtes Ziel für Läufer, Spaziergänger, Radfahrer, Hundebesitzer, Familien und Wochenend-Ausflügler. Um die weitläufigen und naturnah gestalteten Wiesenflächen im Zentrum gruppieren sich das Nachtigallenwäldchen, das Praunheimer Wäldchen und die Niedwiesen. Wiesen und Gehölze wechseln sich ab mit großzügigen Spielflächen, Wasserspielplätzen sowie Kleingärten und Sportplätzen. Im südlichen Drittel der Parkanlage können Freizeitsportler ihre Übungen an der frischen Luft in einem Fitnessparcours absolvieren. Wer möchte kann den Niddaradweg an der Rosa-Luxemburg-Straße verlassen, in einem großen Bogen durch den Park radeln und an der Praunheimer Brücke auf den Niddaradweg zurück kehren.

Kurz hinter einem weiteren Wehr, in Praunheim mündet der Steinbach, der der Nidda aus dem gleichnamigen Ort kommend, zufließt. Nördlich der Nidda ist noch der alte mäandrierende Verlauf des Flusses zu erkennen.

Überquert man die Nidda auf der Praunheimer Landstraße kommt man nach wenigen Metern zum Brücken-Café. Dieses hat täglich bis 21 Uhr geöffnet und bietet leckeren Kaffee und Kuchen.

Wir bleiben aber am nördlichen Flussufer und haben inzwischen nach etwa 10km Strecke in etwa Halbzeit. Und die zweite Hälfte verspricht anders, aber mindestens genauso schön zu werden.

Rechts neben dem Radweg liegt Praunheim, ein Dorf mit langer Geschichte. Wie alle auf -heim endenden Siedlungen ist auch dies eine fränkische Gründung. Die alten Burgen und Schlösser wurden aber inzwischen alle abgerissen und überbaut.

Mit der Trabantenstadt Siedlung Praunheim, einem sehr frühen Prototyp des sozialen Wohnungsbaus, wurden hier nach dem ersten Weltkrieg rund 1.500 Wohnungen im Bauhausstil geschaffen. Diese sind bis heute prägend für das Erscheinungsbild des Ortsteils.

Da wir uns langsam dem Willi-Petri-Steg nähern, ist das Gelegenheit an den Praunheimer Maler zu erinnern, der 2009 verstarb. Er hatte eine Vielzahl Frankfurter Motive auf Leinwand festgehalten. Viele Praunheimer haben eines der zu seinen Lebzeiten noch sehr preisgünstigen Bilder in ihrem Haus hängen.

Auf der rechten Seite sehen wir dann den Grillplatz Praunheimer Hohl. Es ist schön, dass Frankfurt so viele Grillplätze hat. Gerade die etwas versteckteren Grillplätze sind weniger überlaufen als die ganz bekannten.

Und immer wieder sind gerade die Nutrias eine Attraktion für Groß und Klein.

In der Luftaufnahme sieht man deutlich, welchen verschlungenen Verlauf die Nidda hier einst hatte, bevor sie vom Menschen in dieses schnurgerade Bett gezwungen wurde. Die alten Nidda-Arme sind nun ein Rückzugsgebiet für die vielen hier lebenden Tiere.

Diese Gänsefamilie ist allerdings ganz erstaunlich früh dran dieses Jahr. Immerhin brüten Gänse 28 Tage lang und normalerweise erst im April. Angesichts der letzten sehr kalten Wochen ist es ein Glücksfall, dass die das geschafft haben.

Unter der Brücke der A66 ist das Hausener Wehr. Das Gefühl, den Kopf einziehen zu müssen ist hier noch harmlos. Da kommen gleich noch viel niedrigere Durchfahrten. Wer in der Tagespresse liest, dass es rings um Frankfurt Hochwasser gibt, sollte die Nidda-Radtour verschieben, denn Stellen wie diese sind dann definitiv unpassierbar. Das betrifft aber nur sehr wenige Tage im Jahr.

Jetzt geht es mitten durch Hausen durch. Links über die Brücke, über die Hausener Obergasse, kämen wir direkt in das dörfliche Zentrum von Hausen.Unser Radweg führt aber weiter die Nidda entlang.

Überwiegend auf der südlichen Flussseite liegt das Hausener Freibad. Da es aber auch eine Spiel- und Liegewiese am nördlichen Flussufer hat, müssen wir in einem Bogen darum herum fahren. Sobald wir wieder die Nidda erreichen, müssen wir unter der Ludwig-Landmann-Straße hindurch.

Hinter der Unterführung dann direkt das Restaurant Nidda, das zumindest Sonntags ab 11 Uhr durchgehend geöffnet hat. An vielen anderen Tagen erst ab 17 Uhr.

Auf der rechten Seite finden wir nun eine große Spiel- und Liegewiese, ideal auch für ein Picknick geeignet.

Wenige Meter weiter findet man rechts neben dem Radweg einen Kinderspielplatz. Auf der anderen Niddaseite ist das Brentanobad.

Auf unserem Radweg kommen wir zügig voran. Inzwischen haben wir bereits 12 der insgesamt 20 km geschafft. Vor uns liegen nun einige innerstädtische Parkanlagen, die wir durchqueren.

Hier in Rödelheim geht es zunächst auf der rechten Niddaseite nicht weiter.

Über eine Nidda-Insel überqueren wir die Nidda und fahren durch den Brentano-Park. Der vielfältige, teils exotische Baumbestand eröffnet immer wieder idyllische Blicke auf die Nidda. Zur Zeit der Rosenblüte ist ein Besuch hier ganz besonders lohnenswert. Und es gibt auch einen kleinen Spielplatz.

Geschaffen hat diesen Park der Kaufmann Georg Brentano. Aus einem Landhaus mit Privatgarten machte er nach einer Vielzahl weiterer Grundstückszukäufe eine 13 ha große Parkanlage. Leider hat die Stadt Frankfurt nur 3 ha als Park belassen. Vor allem das Brentanobad hat einen großen Teil der Fläche des früheren Parks verschlungen.

Wir queren die Straße Auf der Insel. Auch hier sollten Sie auf Ihre Kinder wieder besonderes Augenmerk haben. Dann sind wir im Solmspark. Ein Kinderspielplatz und eine Spielwiese sei besonders Familien empfohlen.

Das hier einst stehende Schloss wurde im Krieg zerstört. Eine Plastik erinenrt daran und schmale Wege kennzeichnen den früheren Verlauf der Grundmauern. Eine Schautafel vermittelt viele Hintergrundinformationen zur einstigen Burg und späterem Schloss Rödelheim.

Die Insel auf der wir sind liegt zwischen der Nidda und dem Mühlgraben. Deshalb fahren wir hier ständig über Brücken.

Der Solmspark geht nahtlos über in die nach dem Frankfurter Karikaturisten Kurt Halbritter benannte Anlage, vormals Blauer Steg. Bekannt wurde er durch die Zeitschrift Pardon. Hier steht eine nach seinen Zeichnungen gefertigte Bronzeskulptur, der Barfüßer.

Dann geht es unter der S-Bahn hindurch. Achtung, erneut nur 1,80m lichte Höhe. Kopf einziehen oder absteigen und schieben.

Auf der linken Seite eine der Rödelheimer Kleingartenanlagen. Stilgerecht heißt hier sogar die Straße Schreberweg.
Nun, 14 km nach dem Start, verlassen wir den am stärksten frequentierten Teil des Radweges. Dennoch sind aufgrund des heutigen Feiertages viele Menschen unterwegs.

Übrigens verläuft hier über eine kurze Distanz der Safari-Radwanderweg auf der selben Trasse. Er führt über 25km vom Frankfurter Zoo zum Opel-Zoo in Kronberg. Was wäre eigentlich, wenn alle Zootiere aus dem Opel-Zoo in Kronberg und dem Frankfurter Zoo eine Landpartie unternehmen würden? Ein tierisches Chaos? An 46 Stationen entlang der Route „Safari von Zoo zu Zoo“ regeln Schilder mit witzigen Tierzeichnungen und etliche Objekte die möglichen Begegnungen von Mensch und Zootier gleichermaßen.

Die vielen Brücken über uns sind das Autobahnkreuz von A5 und A648. Oben auf der Straße fällt einem die Nidda hier gar nicht auf. Auf dem Radweg ist hingegen die Autobahn über uns unübersehbar. Ab Mitte 2018 ist hier mit Arbeiten am Autobahnkreuz und einer damit verbundenen Sperrung des Radwegs zu rechnen. Zumindest soll aber immer eine Niddaseite passierbar bleiben.

Nun kommen wir zu der Stelle mit der niedrigsten Durchfahrtshöhe. Die lichte Höhe über dem Radweg beträgt gerade mal 1,75m. Also nochmals den Kopf einziehen oder das Rad schieben. Oder beides.

Zu unserer Linken liegt der 60 ha große Niedwald. Auch darin verborgen sind wieder einige alte Niddaarme, der größte ist der Grill’sche Altarm. Obwohl seit der Niddabegradigung Mitte der 20er Jahre nicht mehr regelmäßig überschwemmt, hat er die typischen Merkmale des Hartholz-Auwaldes bewahrt. Vorherrschend sind Hainbuche, Wildkirsche, Esche, Ahorn und Stileichen.

Die Nidda mag hier ein langsam, schnurgerade dahin gleitender, langweiliger Fluss in einem künstlichen Bett sein. Die Umgebung ist dafür um so abwechslungsreicher. Und der eine oder andere Abstecher offenbart ganz andere Einblicke.

Bis kurz vor dem Höchster Freibad gibt es auf diesem 2 km langen Teilstück vier Stege. Man kann also nach Belieben auch gerne mal die Uferseite wechseln.

Fischerei hat in Nied eine lange Tradition. Auch der Ortsname selbst soll aus dem keltischen stammen und sich aus dem Namen des Flusses Nidda ableiten. Ganz ursprünglich war Nied ein Fischerdorf. Später dominierte dann die Eisenbahn mit seinen Betriebsgeländen und den Eisenbahnersiedlungen. Wer links in die Straße Taunusblick einbiegt, kann nach 500 m am Neumarkt eine solche Eisenbahnersiedlung sehen.

Hier am Unterlauf der Nidda sind zahlreiche Anglervereine ansässig. Typische Fänge sind Karpfen, Schleien, Aale, Weißfische, Barsche und Hechte. Das begehrteste Ziel ist der Zander.

Linker Hand, auf einer Insel liegt das Restaurant Anglerheim Nied. Ein sehr schönes Lokal mit gutbürgerlicher Küche und moderaten Preisen an einem Nidda-Altarm gelegen. Besonders lässt es sich auf der Außenterrasse genießen.

Nun trennt die Nidda die Stadtteile Nied und Höchst. Am Nordufer das Freibad Höchst.

Durch den Ausbau der Nidda in den zwanziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Fluss zu einem Kanal. Zwar machte die Begradigung die Nidda weitgehend hochwassersicher, auf der Strecke blieb dabei aber die Natur: Steile, weitgehend gehölzfreie Böschungen; der Fluss von seiner Aue und seinen Altarmen abgekoppelt; Wehre, die die Fischwanderung unterbinden − dies sind die Merkmale des ökologischen Niedergangs der Flusslandschaft. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Frankfurt am Main beschloss daher 1998 die Konzeption „Naturnahe Nidda“. Eine ganz besondere Rolle spielt dabei der Rückbau des Wehres Höchst, denn dieses verhinderte, dass die Fische die Nidda aufsteigen konnten. Die Wehranlage wurde 2012 zu großen Teilen abgebaut und durch ein etwa 75 Meter langes, schräg in den Flusslauf gestelltes festes Streichwehr ersetzt. Das Wehrhäuschen aus dem Jahr 1924/1925 auf der rechten Nidda-Seite blieb mitsamt der noch original möblierten Wärterkammer erhalten; der verbleibende „Brückenkopf“ des Wehrsteges wurde zu einer Aussichtskanzel umgebaut. Die Überfallschwelle des Streichwehres ist durch eine Spundwand fixiert, damit das Wehr dem Wasserdruck standhalten kann. Dafür wurden zehn Meter lange Spundbohlen in die Erde eingelassen. Das Ziel, die Nidda durchgängig zu machen, wurde erreicht, dies haben die fischökologischen Untersuchungen gezeigt. Und es sieht auch noch besser aus: ein kleines Stück wilde Nidda.

Nach nunmehr 17 km Fahrtstrecke und 36 Minuten reiner Fahrzeit – natürlich ohne Abstecher und Pausen – nähern wir uns langsam bereits dem Ziel der heutigen Radtour. Eigentlich schade, dass es gleich schon vorbei sein wird.

Stromtrassen überqueren den Radweg. Wir unterqueren die Eisenbahn und kurz darauf auch die S-Bahn. Immer mal wieder wird an Frankfurts Infrastruktur gebaut. Wir befinden uns nun einmal mitten in einer Großstadt. Aber dafür, dass dies Deutschlands fünftgrößte Stadt ist, eine Bankenmetropole mit weltweiter Bedeutung, konnten wir heute sehr viel Grün und frische Luft genießen. Es ist sehr schade, dass viele das zu wenig kennen. Aber das zu ändern, dazu möchte dieser Clip ja beitragen.

Vor der nächsten Brücke die Treppe hoch kommt man auf die Straße Alt-Nied. Nicht nur um den alten Ortskern von Nied einmal zu sehen, weise ich darauf hin. Wer am Ende ein Picknick machen möchte und nicht die ganze Zeit alles mit sich schleppen wollte, kann im dortigen Supermarkt sicherlich alles beschaffen, was man dazu braucht – normale Ladenöffnungszeiten vorausgesetzt.

Nach Unterquerung der Mainzer Landstraße sind wir dann schon an der Wörthspitze angelangt. Dieser rund 500m lange Park mit dreieckigem Grundriss auf einer Halbinsel zwischen Main und Nidda endet an der Niddamündung.

Peinlicher Fehler im Clip: Ich bog zu früh ab. Dies ist eigentlich ein reienr Fussgängerweg. Der Radweg ist 50m weiter. Aber so haben wir die Chance das Niddaufer hier noch etwas länger zu genießen.

Wer die Tour verlängern möchte, kann mit der Fähre auf die Schwanheimer Main-Seite übersetzen und die Schwanheimer Düne besuchen. Zu dieser gibt es einen eigenen Clip in diesem Kanal.

Kurz vor dem Ende der Radtour überspannt eine Bogenbrücke, das Gaasebrickelsche, also das Gänsebrückchen, die Nidda. Darüber gelangen Sie am schnellsten in die Altstadt von Höchst und zur Main-Fähre.

An der Mündung dümpeln Hausboote und ein Hotelschiff im Wasser. Die Altstadt von Höchst lädt zu einer Besichtigung ein und in der Höchster Gastronomie kann man die Radtour ausklingen lassen, im Sommer gerne bei einem Besuch der Biergärten auf dem Schlossplatz.

Damit endet die heutige 20 km lange Radtour. Ich hoffe, es hat Spaß gemacht. In Kürze bald weitere Radtouren in und um Frankfurt am Main in diesem Kanal. Am besten gleich abonnieren, um nichts zu verpassen.

Hans-Peter Brill

Radtour von Harheim bis zu Wörth-Spitze

Nidda-Radtour